Was macht mein Foto denn da? - Die zwei Möglichkeiten, auf Bilderklau zu reagieren

Sharing is caring heißt es im Internet so schön, doch manch Einer nimmt das etwas zu wörtlich und verwendet oder teilt munter fremde Fotos.

Ihr habt einem Hochzeitspaar Fotos geschickt und Schnappschüsse des Blumenarrangements finden sich plötzlich auf dem Instagram-Account eines Floristen? Nun, bevor Ihr eine böse Nachricht schreibt oder irgendwelche anderen Maßnahmen unternehmt, solltet Ihr erstmal ausschließen, dass der Verwender (der vermeintliche Verletzer des Nutzungsrechts) nicht vielleicht doch über eine Lizenz verfügt. Wenn Ihr Euch unsicher seid, checkt zunächst mal Eure Unterlagen. Was steht im Vertrag? War das Nutzungsrecht explizit geregelt? Was wurde kommuniziert? Wenn nötig, stellt eine sog. Berechtigungsanfrage beim Verwender des Fotos.

Wenn Ihr wisst, dass die Nutzung definitiv unbefugt erfolgte, sucht zunächst nach möglichen weiteren Verstößen (z.B. durch Verwendung in Social Media, auf anderen Websites, in Print o.ä..). Man muss die Beweise sichern, um z.B. auch einen Nachweis für die Dauer der unbefugten Nutzung zu haben. Verfahrens-Tipp: Der Screenshot des Corpus Delicti sollte übrigens unbedingt von einem Dritten angefertigt werden, weil man im Zivilverfahren nicht gleichzeitig Partei und Zeuge sein kann.

...dann habt Ihr zwei Möglichkeiten, außergerichtlich vorzugehen:

  1. Nachlizenzierung

Anhand der Art der Nutzung und der Dauer berechnet Ihr, welche Lizenzart der unbefugte Verwender hätte erwerben müssen, um das Foto korrekt nutzen zu dürfen. Als Beleg, dass Ihr derartige Lizenzen vergebt, reichen ein paar bereits gestellte Rechnungen als Muster. Diese Art der Schadensberechnung nennt man Lizenzanalogie.

  • Vorteile: Nicht gleich schwere Geschütze auffahren, sich auf Augenhöhe begegnen und den Kunden behalten, falls er der Verletzer ist.
  • Nachteile: Man kommuniziert in der Regel selbst mit dem Verletzer, das liegt nicht jedem und birgt die Gefahr, dass man nicht ernst genommen wird und keine Rückmeldung bekommt. Das kann dauern.

Alternative: Man lässt das Schreiben vom Anwalt übermitteln. Das wird dann mehr Druck machen und insofern die beiden vorgenannten Nachteile ausschalten, aber damit entfallen voraussichtlich auch die o.g. Vorteile!

oder

  1. Abmahnung
  • Vorteile: Der Anwalt übernimmt die Kommunikation. Man ist rechtlich beraten und vertreten. Das erhöht Druck und beschleunigt die Abwicklung der Angelegenheit. Mit der Abmahnung schön man sämtliche Möglichkeiten aus, denn es werden alle Ansprüche, die aus der unberechtigten Nutzung entstehen, geltend gemacht:

 - Unterlassungsanspruch (Entfernung der Aufnahme und Abgabe einer Unterlassungserklärung),

-  Auskunftsanspruch bzgl. des Umfangs der Bildnutzung,

-  Schadensersatzanspruch,

- Anspruch auf Erstattung der entstandenen Anwaltsgebühren

Nachteil: Falls der Kunde selbst der Verletzer ist, verliert man ihn danach vermutlich.

Falls Ihr den Verletzer selbst kontaktiert, stellt Euch darauf ein, dass Ihr möglicherweise eine der  - rechtlich irrelevanten - folgenden Standardausreden zu hören bekommt:

"Ist doch gar kein Schaden entstanden."

"Wieso, ich hab das Foto doch bei Google frei runterladen können."

"Das Foto hat kein Wasserzeichen oder so. Ist also nicht geschützt."

"Ich hab das Foto doch bezahlt, also kann ich damit machen, was ich will."

Letztlich kommt es - wie immer - auf den Einzelfall an, ob man den einen oder anderen Weg geht. Es ist hilfreich, sich ein paar Fragen zu stellen: Ist der Verletzer ein unbedarfter Privatmensch oder ein großes Unternehmen? Wie umfangreich ist die Nutzungsrechtsverletzung? Und in Zeiten von Corona spielt vielleicht auch mit rein: Seid Ihr finanziell gerade am Limit, weil Aufträge ausbleiben und wollt schnell und effizient Euer Recht durchsetzen?

So oder so: Ich berate Euch gern und wir klären, welche Vorgehensweise in Eurem Fall sinnvoll ist. Und keine Sorge, wir weisen darauf hin, bevor Kosten für unsere Tätigkeit entstehen!

 

Tipps zum Weiterlesen und Reinhören:

Top 5 der rechtlich irrelevanten Ausreden beim Bilderklau:

https://deubelli.com/news-details/die-top-5-der-rechtlich-irrelevanten-ausreden-bei-bilderklau.html

Podcast: Interview mit Robert Kneschke: Wie man Bilderklau in sozialen Netzwerken zu Geld macht

https://deubelli.com/news-details/podcast-kreativgerecht-wie-man-bilderklau-in-sozialen-netzwerken-zu-geld-macht-mit-robert-kneschke.html

Podcast: Q&A - keine Abmahnung ohne vorherige Kontaktaufnahme

https://deubelli.com/news-details/podcast-kreativgerecht-036-q-a-keine-abmahnung-ohne-vorherige-kontaktaufnahme.html

Kostenfreies Webinar: 5 Tipps für den richtigen Umgang mit Bilderklau

https://deubelli.com/news-details/id-5-tipps-fuer-den-richtigen-umgang-mit-bilderklau.html

 Texte: Julia Torner

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