Podcast kreativ[ge]recht – Verträge oder AGB? Die richtige Wahl für Kreative

Spätestens dann, wenn es zu spät ist und Kreative und Auftraggeber sich in die Haare bekommen haben, stellt sich die Frage, wie man die Erbringung von Kreativleistungen idealerweise vertraglich hätte absichern können. Aus unseren Erfahrungen im Bereich Vertragserstellung aber auch der Vertretung von Kreativen in Auseinandersetzungen mit ihren Auftraggebern konnten wir ein ganz gutes Gefühl dafür entwickeln, wie man die größten vertraglichen Stolpersteine vermeiden kann. Diese Podcastfolge befasst sich mit der grundsätzlichen Frage, ob man Verträge, AGB, beides oder nichts davon braucht.

Braucht man als Kreativer denn nun einen Vertrag, AGB?

Nein. Verträge über die Erbringung von kreativen Leistungen sind zumeist Werkverträge oder Dienstverträge. Diese unterliegen keinem Formerfordernissen, sodass man in der Wahl der Form absolut frei ist. Verträge können also per Email, WhatsApp-Chat oder mündlich geschlossen werden. Es ist daneben auch nicht verpflichtend, AGB oder vorformulierte Verträge vorzuhalten.

Aus Gründen der Nachweisbarkeit empfiehlt es sich meiner Ansicht nach, zumindest den Weg über Email zu gehen, da man hier die Möglichkeit hat, das Angebot ein einem Rutsch zu unterbreiten, was bei späteren Problemen mit dem Kunden den Vorteil hat, dass man den Inhalt der vertraglichen Vereinbarung nicht aus ellenlangen Chatverläufen zusammensuchen muss.

Der Vertragsschluss per Email ist absolut ausreichend.

Aber worin liegt nun der Vorteil eines fertig abgefassten Vertrages oder gar allgemeiner Geschäftsbedingungen und (ab) wann sollte man als Kreativer so etwas haben?

Wer unsere Kanzlei schon einmal beauftragt hat, weiß vermutlich, wir verwenden selbst weder einen Vertrag noch AGB. Wir arbeiten in der Regel auf Basis eines Angebotes, welches wir uns von unseren Mandanten bestätigen lassen. Dennoch nimmt es einen großen Teil unserer Arbeitszeit ein, Verträge und AGB für unsere Mandanten zu erstellen. Widersinnig? Nein.

Als Anwälte haben wir den großen Vorteil, dass der Gesetzgeber es ganz gut mit uns meint. Die Gesetze, auf deren Basis wir unsere Arbeit erbringen und vor allem abrechnen, geben uns viele Freiheiten (die wir meist nicht ausschöpfen). Im Bereich der Erbringung von Kreativleistungen sieht das leider anders aus.

Die Verträge haben hier zumeist werkvertraglichen Charakter, sodass sich die wesentlichen gesetzlichen Regelungen im BGB wiederfinden. Diese meinen es mit den Auftragnehmern häufig nicht so gut, wie etwa im Fall der Kündigung durch den Auftraggeber. Diese ist jederzeit ohne Angabe von Gründen möglich und schlimmstenfalls erhält der Auftragnehmer danach nur noch 5 % des ursprünglichen Auftragswertes. Hier ist aus Sicht der Kreativen noch viel Luft nach oben und es empfiehlt sich eine vertragliche Regelung, die den Kreativen an dieser Stelle besser stellt, als es mit den gesetzlichen Ansprüchen der Fall ist.

Stellt das Gesetz den Kreativen an verschiedenen Stellen unangemessen schlecht, empfiehlt sich eine abweichende vertragliche Regelung.

Es wäre also eine gute Idee, sich im Vorfeld ein Wenig mit dem eigenen Vertragstypen und der dazugehörigen gesetzlichen Ausgangslage zu beschäftigen. Hat man nun eine Liste an Dingen, die man vertraglich zu seinen Gunsten regeln möchte, stellt sich die Frage aller Frage:

Vertrag, AGB, beides oder nichts davon?

Das Wichtigste vorab: Es kommt auf den Inhalt an. Die schönsten aus dem Internet zusammenkopierten AGB haben im direkten Vergleich vermutlich schlechte Karten gegen eine gut formulierte Angebots-Email, in der wirklich die Dinge beschrieben und geregelt werden, auf die es im ankommt.

Eines muss man aber auch festhalten – einfacher ist es in jedem Fall, die immer wieder gleichen Themen in einem einheitlichen Rechtstext festzuhalten, den man bei der Angebotserstellung dann nur noch anhängen muss. Das schafft Sicherheit und spart Zeit. Und zwar auch für den Kunden!

Die Themen, die den konkreten Job speziell machen, kann man dann ganz einfach im Vertrag anpassen oder in ein Angebot gießen, das man mit seinen AGB an den Vertragspartner in Spe schickt.

Erfahrungsgemäß sind die Themen, die immer wieder kommen und daher sinnvollerweise einheitlich in einem Rechtstext geregelt werden können:

  • Haftung des Kreativen (diese sollte in den eigenen Verträgen stets soweit ausgeschlossen werden, wie es Gesetz und Rechtsprechung zulassen)
  • Mitwirkungspflichten des Auftraggebers (häufig kann der Kunde durch Unterlassen erforderlicher Mitwirkungshandlungen die Fertigstellung des gesamten Jobs blockieren, sodass die Folgen dieses Unterlassens geregelt werden sollten)
  • Stornierung durch den Auftraggeber (hier sollten die Folgen deutlich oberhalb der gesetzlichen Untergrenzen geregelt werden, was das Honorar nach einer Kündigung des Auftraggebers angeht)
  • Allgemeines (Gerichtsstand, anwendbares Recht, Ausschluss von AGB des Kunden und Ähnliches gehören eigentlich in jeden vorformulierten Vertrag)

Im Gegensatz dazu empfiehlt es sich unserer Erfahrung nach unter anderem die folgenden Themen bei jedem Job individuell anzupassen:

  • Leistung des Kreativen
  • Honorar
  • Nutzungsrechte an den erstellten Inhalten
  • Vertragsparteien

Aus der Praxis empfiehlt es sich auch hier auf Textbausteine zurückzugreifen, die etwa Nutzungsrechte in Pakete clustern, damit man nicht bei jedem Job vor der erneuten Überlegung steht, welche Rechte man welcher Art von Kunden nun wieder einräumen wollte.

Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, ob Eure Rechtstexte zu Euch passen, schickt Sie mir einfach und Ihr erhaltet einen kostenfreien Vertrags-Check von mir, mit dem ich Euch eine erste grobe Einschätzung gebe.

Falls Ihr allgemeine Fragen zu vertraglichen Regelungen habt, schreibt mir immer gerne einen Nachricht.

Hier geht es direkt zu iTunes und hier der Link zum direkten Download der Folge. 

Hört rein und zögert bitte keine Sekunde uns zu kontaktieren, wenn Ihr Fragen, Tipps oder Anregungen für den Podcast habt!

Wenn Ihr mögt, bewertet den Podcast gerne!

 

Zurück

nach oben