2.079.000,00 € nachträgliche Bildhonorare

Ihr wollt wissen, wie Ihr so richtig Asche macht, wenn Euch jemand ein Bild geklaut hat? Dann solltet Ihr Eure Zeit nicht damit verschwenden, diesen Artikel zu lesen.

First things first: In diesem Artikel erzähle ich Euch nicht, wie Ihr über den Umweg durch einen Gerichtssaal unanständig reich damit werdet, dass irgendjemand Eure Bilder geklaut hat.

Aber beginnen wir mit einer Frage: was habt Ihr empfunden, als Ihr die Überschrift dieses Posts gelesen habt? Versucht bitte, Euch das noch einmal in Erinnerung zu rufen.

Nun aber zu den Fakten und insbesondere dazu, wie es zu der Überschrift kam. In den letzten Tagen und Wochen haben zwei Fälle die Fotoszene aufhorchen lassen.

79.000 € Nachzahlung für Bildhonorare

Das OLG Hamm sprach einem Fotojournalisten nachträglich zusätzliche Entgelte für Nutzungsrechte an seinen Bildern für diverse Printveröffentlichung durch einen Verlag zu – erhöhte also das zwischen ihm und dem Verlag vereinbarte unangemessene Entgelt nach § 32 UrhG.

Wie das OLG Hamm in seiner Pressemitteilung berichtet, war der Journalist seit 2000 für den beklagten Verlag tätig und lizenzierte so insgesamt 3497 Bildbeiträge, für die er hinsichtlich des vereinbarten Preises für die eingeräumten Nutzungsrechte auch nach Ansicht des Gerichts ungenügend entlohnt wurde.

Mehr als 2.000.000 € Schadensersatz für Wiener Fotografen

Dann hatten wir noch die Geschichte des Wiener Fotografen Klemens Horvath, der wohl nich schlecht staunte, als er festgestellt hat, dass sieben Bilder, die er ursprünglich als Auftragsarbeit für ein Hotel gemacht hatte, teilweise über 500 mal genutzt wurden. Weltweit. Ohne Nutzungsrecht. Und natürlich ohne Honorar.

Das aktuelle Vergleichsangebot des Hotels, das die Weitergabe der Bilder zu verantworten hat, liegt immerhin bei 400.000 €. Aufaddiert geht der Schadensersatz allerdings ausweislich einer Berichterstattung auf derStandard.at in die Millionen.

Nachdem ich überwiegend geprellte Urheber vertrete, werdet Ihr nun nichts davon lesen, dass ich das Urheberrecht für veraltet und den gerade den neuen Medien nicht mehr angemessen halte. Ich will Euch stattdessen kurz schildern, was mir durch den Kopf gegangen ist, als ich die beiden Überschriften gelesen habe:

„Zu Recht!“

Zur selben Zeit habe ich dann noch ein Mandat auf den Tisch bekommen, welches dazu geeignet gewesen sein sollte, ebensolche Schlagzeilen zu schreiben. Dachte ich. Zunächst. Es stellt sich aber heraus, dass die einzige Gemeinsamkeit mit den beiden Ausgangsfällen diejenige der nahezu irrwitzigen Anspruchshöhe war, von der der Urheber von Anfang an eine recht konkrete Vorstellung hatte. Bei näherem Betrachten fiel schnell auf, dass es hier aber nicht über 3000 Verwendungen weltweit waren, sondern mal zwei Bilder, die fünf Monate online standen, mal vier Bilder, die ein Jahr online verwendet wurden. Die Beträge, die am Schluss gefordert werden sollten, waren stets mindestens fünfstellig und standen für meine Begriffe in keinem Verhältnis zu den Rechtsverletzungen. Auch auf mehrfache Nachfrage konnte mir der Fotograf nicht erklären, wie zum Teufel ich diese Vorstellungen rechtlich untermauern sollte.

Nachdem keinerlei Bereitschaft bestand, sich von den übertriebenen Schadenszahlungen für Verletzungen im geringen Umfang zu verabschieden und meine Lust, mir in einem gerichtlichen Verfahren die Hosen ausziehen zu lassen, gering war, sah ich mich gezwungen, die Reissleine zu ziehen und das Mandat frühzeitig zu beenden.

Und schon kamen Bemerkungen, die mich wohl daran zweifeln lassen sollten, dass ich ein richtig guter Anwalt wäre. Ein solcher hätte das schon irgendwie hingebogen.

Nein. Hätte er nicht.

Und das ist es, was ich zum Schluss festhalten möchte. Erinnert Ihr Euch noch an das Gefühl beim Lesen der Überschrift? Ging Euch dasselbe durch den Kopf wie mir? Vielleicht begleitet von einem „Mehr“ oder „Lasst sie bluten“? Alles mehr als verständlich. Mir ging es nicht anders.

Doch daneben stehen Fälle, wie ich ihn gerade geschildert habe. Und diese veranlassen mich dazu, eines nochmal festzuhalten:

irrwitzige Lizenzzahlungen gibt es. Aber zumindest in unseren Breitengraden nur für irrwitzig umfangreiche Verwendungen. Und das solltet Ihr auch beherzigen, wenn Ihr über eigene Bilder stolpert, die Euch geklaut wurden.

Mein Ex-Mandant wird sich nun auf die Suche nach einem „richtig guten“ Anwalt machen, der ihm vielleicht den Rücken stärkt und mit den nicht zu realisierenden Beträgen in ein gerichtliches Verfahren hechtet. Ordentlich damit verdienen wird am Ende aber wohl nur er.

Mein Fazit lautet daher: lasst Euch nicht dazu hinreissen, Bilderdieben (ja ich weiß, sie mögen es allesamt verdient haben...) Lizenzzahlungen in Rechnung zu stellen, die Euch kein Richter dieser Erde jemals bestätigen wird. Bilderklau ist ein ernstes Thema und so sollte es auch behandelt werden. Und im Ernst, auch wenn vielleicht danach nicht der Ruhestand winkt, angemessene und immer noch ordentliche Lizenzzahlungen sind auch drin, wenn Ihr die Sache seriös in Angriff nehmt.

Dem Wiener Fotografen und dem Kollegen, der ihn vertritt wünsche ich viel Erfolg.
Meinem Ex-Mandanten viel Glück – er wird es brauchen.

 

 

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