Facebook, Google und andere Troublemaker auf dem Bildermarkt

Die vergangenen Monate haben uns besser denn je gezeigt, dass es neben den Menschen, die Fotos machen, einige andere Player gibt, die auf dem Bildermarkt langsam anfangen, ihr Revier zu markieren.+

(Lesezeit ca. 5 Min.)

Erstmal auf Anfang - was ist überhaupt passiert?

Dass Facebook und andere soziale Netzwerke zumindest mittelbar eine Rolle auf dem Bildermarkt spielen, ist, denke ich, keine Neuigkeit mehr, die Euch vom Hocker haut. Gestartet ist die Diskussion hierüber schon mit der allgemeinen Frage vor den Facebook-Nutzungsbedingungen und der Frage, wann dieses Soziale Netzwerk in eine riesige Bildagentur umfirmiert und Milliarden von Bildern auf den Markt wirft, an denen man sich schon lange die Nutzungsrechte seitens der hochladenden User hat zusichern lassen. Das war sogar entgegen der Auffassung einiger Anwälte bislang nicht der Fall und wird meiner Ansicht nach auch niemals passieren.

Dennoch hatte diese Diskussion einen massiven Einfluss auf das Lizenzverhalten vieler Fotografen und Bildagenturen. Wurde man noch vor einigen Jahren müde belächelt, wenn man thematisiert hat, dass es so etwas wie eine Social-Media-Lizenz geben müsste, erntet man mittlerweile wohl dasselbe Lächeln, wenn man auf die Idee kommen sollte, seinem Kunden die Verwendung von Fotos in sozialen Netzwerken zu untersagen. Auch hat sich die Social- Media-Lizenz zwischenzeitlich sowohl bei den meisten Bildagenturen als auch etwa in der MFM Honorarempfehlung eingenistet und langsam stellt sich bei dem Gedanken an Bildverwendungen in sozialen Netzwerken ein wohlig warmes Gefühl ein. Man hat das schließlich endlich im Griff. Oder?

Kaum hat man die Frage, ob eine Nutzung der eigenen Aufnahmen in sozialen Netzwerken erfolgen darf, geregelt, kommt schon das nächste Problem um die Ecke. Embedding. Hier war es zunächst eine Videonutzung auf YouTube, welche den Europäischen Gerichtshof dazu bewegt hatte, zu entscheiden, dass ein dort eingestelltes Video „Freiwild“ (Begriff nicht vom EuGH sondern vom Autor auf eigene Faust zum Zwecke der reißerischen Hervorhebung gewählt) ist und über die Embedding-Funktion beinahe beliebig auf anderen Websites eingebettet werden dürfen, ohne den Ersteller des ursprünglichen Videos fragen zu müssen. Diese Form der lizenzfreien Verwendung sorgte zunächst auch unter den Fotografen für große Sorgen, da jede Verwertungsart, die ohne Rücksprache mit den Urhebern erfolgen darf, schlichtweg dazu führt, dass man dafür auch kein Honorar erzielen kann. So richtig durchgesetzt hatte sich dieses Thema aber bei den Fotografen nicht und ich habe ein wenig den Eindruck, dass die Embedding-Thematik ein wenig vom Radar zu verschwinden scheint.

Als würden uns die sozialen Netzwerke nicht schon genug Kopfzerbrechen bereiten, erscheint auch Google immer wieder auf der Bildfläche. Nun haben endlich die Presseverleger ihr Leistungsschutzrecht bekommen, mit dem sie den Internetgiganten bekämpfen können (mir ist seit Einführung noch kein Fall bekannt geworden, in dem dieses Recht auch tatsächlich zum Erfolg geführt hätte), schon taucht das nächste Thema auf – die neue Google Bildersuche.

Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben, hier eine kurze Zusammenfassung:

Google hat vor Kurzem die Ergebnisdarstellung der Bildersuche geändert und zeigt nun die Bilder in einem zweiten Schritt in Originalgröße und ohne großartige Berücksichtigung der Website, auf der die Bildverwendung erfolgt. Eine Urhebernennung erfolgt nicht, stattdessen erhält der Betrachter direkt aus der Bildersuche die Möglichkeit, die Aufnahme in verschiedenen sozialen Netzwerken zu teilen, oder per Mail zu versenden. 

Dieses Verhalten ist nicht nur urheberrechtlich bedenklich, sondern nährt vor Allem eine Befürchtung: Der Suchmaschine- Anbieter scheint (wieder einmal) zu versuchen, vom reinen Suchdienstleister zum Content-Lieferanten aufzusteigen. Denn eines ist klar: Wenn ich die Bilder bereits bei Google in voller Auflösung finden, teilen und speichern kann, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ich die Seite, auf der die Aufnahme eigentlich dargestellt wird, besuche, erheblich. Im Klartext: Wenn Google die Bilder schon so schön katalogisiert und in voller Auflösung zur Verfügung stellt, werden die Besuche auf Euren Websites entbehrlich und die Zugriffszahlen sinken. Ach so, Ihr habt Euch die letzten fünf Jahre mit Suchmaschinenoptimierung Eurer Websites befasst? Schade.

Dieser Artikel soll ganz sicher keine Panik machen. Rückblickend betrachtet, sind doch die meisten Problemstellungen, gut für den Urheber ausgegangen. Aber ich möchte zeigen, welchen Einfluss Internetunternehmen auf die Lizenzpraxis am Bildermarkt hatten, haben und haben werden. Anstelle von Angst möchte ich hier aber für Bewusstsein werben.

Gerade bei der aktualisierten Bildersuche stelle ich leider fest, dass sich nach erstem Aufschreien das Interesse der meisten Fotografen in Grenzen hält und nur noch wenig Initiative erkennbar ist. 

„Was soll ich kleines Licht denn da ausrichten“

und

„So schlimm wird das schon nicht werden“ 

sind zwei Aussagen, die mit sehr hohem Grad an Wahrscheinlichkeit absolut richtig sind. Aber betrachtet man sich mal die Auswirkungen, die es mit sich bringen kann, wenn es unerwartet doch so schlimm würde, lohnt es sich, denke ich, auch das kleinste Licht anzumachen und für seine Rechte zu einzutreten. Das Interesse der Internetgiganten dürfte naturgemäß eher auf eine möglichst freie und umkomplizierte Bildverwendung als auf eine möglichst gute und faire Bezahlung der Urheber für eine solche gerichtet sein. Daher an dieser Stelle tatsächlich mal ein Aufruf: Facebook Werbung und SEO verstanden zu haben ist schön und gut. Doch bleibt bitte auch am Ball, wenn es um die Kehrseite der Online-Medaille geht, bleibt aufmerksam und steht zusammen, wenn es nötig ist!

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Erschienen in ProfiFoto 06/2017

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