Die Top 5 der rechtlich irrelevanten Ausreden bei Bilderklau

Rund um das Thema Bilderklau ranken sich allerlei Mythen und heute fangen wir mal mit dem Aufräumen an.

Und Eines vorweg: Auch wenn dieser Artikel mit einem unübersehbaren Augenzwinkern verfasst ist, all die nachfolgend geschilderten Ausreden habe ich schon mehrfach und aus voller Brust von Menschen entgegengerufen bekommen, die dabei erwischt wurden, dass Sie geklaute Bilder verwenden. Ich möchte sie mir daher einerseits mal ein wenig von der Seele schreiben, gebe andererseits aber auch Hinweise, wieso die nachfolgenden Aussagen schlichtweg Quatsch sind. 

  1. Ich habe dieses Bild bei Google gefunden – also durfte ich es verwenden

Jetzt mal im Ernst, diejenigen, die wirklich noch dran glauben, dass man im Internet zusammengesuchte Bilder gratis verwenden dürfte, freuen sich doch auch darüber eine „echte“ Rolex im Strandurlaub für 30 € erstanden zu haben… Rechtlich gesehen ist die oben genannte Aussage schlichtweg irrelevant, da ich für die Verwendung eines Fotos bis auf sehr wenige Ausnahmen ein Nutzungsrecht benötige. 

Schließlich könnte man aber drauf kommen, dass Menschen, denen das Verständnis hierfür fehlt, das Verschulden fehlt, das zumindest für die Geltendmachung von Schadensersatz aufgrund einer Urheberrechtsverletzung immer vorliegen muss. Aber auch diese Annahme ist aus rechtlicher Sicht falsch.

Im Urheberrecht herrscht Gott sei dank und zu Recht ein sehr hoher Verschuldensmaßstab. Dieser gestattet es zum Beispiel den Verwendern von Bildern nicht, sich auf eine bloße Zusicherung der ausreichenden Rechte zu verlassen. Das gilt etwa auch dann, wenn diese Zusicherung von einer Bildagentur kommt. Der Verwender müsste sich über die Wahrheit dieser Zusicherung Gewissheit darüber verschaffen, dass diese Agentur auch über die Rechte des Fotografen verfügen darf und sich zur Not sogar den dazugehörigen Vertrag vorlegen lassen, so die stetige Rechtsprechung.

An dieser Stelle wird denke ich schnell klar, dass der bloße (Irr-) Glaube daran, alle im Netz gefundenen Bilder dürften frei verwendet werden, noch deutlich fahrlässiger ist und daher an den Ansprüchen des Fotografen nichts zu ändern vermag.

  1. Da war kein Wasserzeichen dran – also durfte ich es verwenden

Diese Aussage knüpft ein wenig an die schon in Punkt 1 genannte Opferrolle an, in der sich Bilderdiebe gerne sehen. Wenn schon Google oder dieses Internet nicht verpflichtet sind, mir zu sagen, dass ich Bilder nicht einfach verwenden darf, dann muss dass doch zumindest der Fotograf selber tun. Oder?

Nein.

13 UrhG regelt:

„Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk.“

Insbesondere steht da nicht „Wenn der Urheber nicht am Werk steht, kann jeder damit machen, was er will.“ Und das aus gutem Grund. Die Vorschrift des § 13 UrhG ist eine Vorschrift, die den Urheber schützt und ihm keine Pflichten auferlegt, um Dritte zu schützen. Es ist auch nicht die Aufgabe der Fotografen dafür zu sorgen, dass Bilderdiebe durch möglichst große Wasserzeichen von der Rechtsverletzung abgehalten werden.

Vielmehr ist es immer der Verwender, der zu klären hat, ob er ausreichende Nutzungsrechte eingeholt hat. Wenn er sich nicht sicher ist oder der Fotograf eines gefundenen Bildes nicht ermittelbar ist, darf er eben das Bild nicht verwenden.

  1. Dem Fotografen ist doch gar kein Schaden entstanden

 Hat der Verwender eingesehen, dass er sich die Rechtsverletzung  dem Grunde nach zurechnen lassen muss, sehen viele Ihr Heil in der Flucht in die Argumentation über die Höhe der daraus folgenden Ansprüche.

Dieses Argument klingt zumindest auf den ersten Blick gar nicht mal so daneben… Wenn ich jemandem sein geistiges Eigentum klaue, entsteht zumindest selten ein unmittelbar messbarer Schaden. Allerdings hat auch die Rechtsprechung erkannt, dass dies unbillig ist und dem Kreativen dennoch ein finanzieller Ausgleich in Form von Schadensersatz zusteht.

Das Schlagwort hierzu lautet daher Lizenzanalogie, was bedeutet, dass der Rechtsverletzer das zu erstatten hat, was er gezahlt hätte, hätte er das Foto ordentlich beim Fotografen lizenzieren lassen. Moment: Der, der ein Bild klaut, zahlt, wenn man ihn erwischt, das, was er gezahlt hätte, hätte er es gekauft? Das liest sich auf den ersten Blick ein wenig unfair. Ist es auch. Allerdings bestehen (wie immer, wenn zwei sich streiten) natürlich durchaus Möglichkeiten, diesen Betrag vor Gericht möglichst hoch zu argumentieren, sodass sich in der Rechtsprechung eine gewisse Bandbreite der Lizenzanalogie herausgebildet hat.

  1. So ein Bild bekomme ich wo anders für 2 €

Ganz ehrlich: Dann hättest Du es mal besser da gekauft!

Dieser sehr häufige Einwand ist gleichermaßen rechtlich irrelevant wie auch ungeschickt und eröffnet nach der Argumentation gegen Schadensersatz dem Gunde und der Höhe nach ein neues Feld der Argumentation: Die Beleidigung des Fotografen.  

Kein Kreativer hört es gerne, wenn man ihm sagt, dass man das Werk, dass man ihm geklaut hat, wertlos oder geringwertig wäre. Daher ist diese Argumentation gleichermaßen rechtlich unbeachtlich und ungeschickt, da man damit aus Sicht des Rechtsverletzers in der Regel auch gleich die Türe für Vergleichsverhandlungen zuschlägt. Rechtlich gesehen ist dieser Einwand schnell entkräftet: Es spielt keine Rolle, wie teuer andere Bilder sind, auch wenn die Motive gegebenenfalls zum Verwechseln ähnlich sein mögen. Es ist immer der konkrete Fall und das konkrete Bild zu beurteilen.

  1. Das Bild ist doch überhaupt nicht geschützt

Dieser Einwand ist die konsequente Fortführung von Punkt 4 und setzt der Argumentation in Richtung Minderwertigkeit der geistigen Leistung des Fotografen die Krone auf, indem man unterstellt, dass das Bild so dermaßen schlecht wäre, dass es keinen Schutz nach dem Urheberrecht genießen könnte. Dem kann man schlicht § 72 UrhG entgegenhalten, der auch Lichtbilder, also selbst einfachste Schnappschüsse, urheberrechtlich schützt.

Somit wäre auch dieses Argument entkräftet und ich hoffe, dass dieser Artikel vielleicht für den/die ein(e) oder andere(n) als Checkliste hilft, wenn Euch mal wieder jemand dumm kommt, der eines Eurer Bilder geklaut hat.

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Erschienen in ProfiFoto

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