Der richtige Umgang mit negativen Bewertungen im Internet

Eine positive Bewertung lässt das Herz höherschlagen. Doch was ist, wenn man plötzlich eine negative oder gar eine sogenannte Fake-Bewertung entdeckt? Muss man sich das wirklich gefallen lassen oder hat man die Möglichkeit, dagegen vorzugehen?

Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass erfolglose juristische Schritte gegen eine negative Bewertung noch schlimmer sind, als die Bewertung an sich. Der Bewerter erhält damit quasi den Segen des Gerichts und der Bewertete steht am Ende mit heruntergelassenen Hosen da.  

Um das zu vermeiden, sollte man sich daher in dem Zusammenhang ein paar Fragen stellen, um entscheiden zu können, ob man wirklich juristisch gegen die unliebsame Bewertung vorgehen oder vielleicht doch lieber anders reagieren sollte.  

War der Bewerter ein Kunde? 

Die erste Weggabelung ist die Frage, ob man den Bewerter kennt und vielleicht sogar einem konkreten Auftrag oder Vorfall zuordnen kann. Falls dem nicht so ist, hat man hier bereits die erste gute Chance, die Bewertung los zu werden.  

So hat etwa das Landgericht Hamburg entschieden, dass ein Nicht-Kunde nicht dazu berechtigt ist, ein Unternehmen, welches er aufgrund der fehlenden Kundenstellung überhaupt nicht unmittelbar kennt, mit einem Stern zu bewerten und Google verurteilt, die entsprechende Bewertung zu löschen:  

Bei der streitgegenständlichen Bewertung - der Vergabe lediglich eines Sternes ohne Begleittext - handelt es sich um eine Meinungsäußerung. (…) 

Zwar genießen Meinungsäußerungen einen sehr weiten Schutz. Bei wertenden Äußerungen treten die Belange des Persönlichkeitsschutzes gegenüber der Meinungsfreiheit grundsätzlich zurück, es sei denn, die in Frage stehende Äußerung stellt sich als Schmähkritik oder Formalbeleidigung dar oder enthält einen Angriff auf die Menschenwürde des Betroffenen. (…) 

Ausgehend von diesen Grundsätzen handelt es sich bei der streitgegenständlichen Bewertung um eine unzulässige Meinungsäußerung, denn prozessual ist vorliegend zugrunde zu legen, dass für diese keine hinreichenden tatsächlichen Anknüpfungspunkte bestehen. 

Insbesondere ist prozessual davon auszugehen, dass ein Besuch der Nutzerin „A. K.“ in dem Gasthaus des Klägers - oder ein irgendwie gearteter anderweitiger Kontakt - nicht stattgefunden hat.” 

Hier ist anzumerken, dass die Rechtsprechung (leider) nicht sonderlich einheitlich ist und es durchaus abweichende Entscheidungen anderer Gerichte zum Thema der Bewertung durch Nicht-Kunden gibt.  

Für den Fall, dass der Bewerter aber nachweisbar keinen Kontakt zum Unternehmen und den angebotenen Dienstleistungen oder Produkten hatte, stehen die Chancen nicht schlecht. In der Folge bestehen bei Vorliegen einer Rechtsverletzung Ansprüche auf Unterlassung gegen den Bewerter und auf Entfernung gegenüber dem Betreiber der Bewertungsplattform (z.B. Google). Erstere macht man üblicherweise durch Aufforderung zur Abgabe einer strafbewerten Unterlassungserklärung durch einen Anwalt und letztere durch Durchlaufen des jeweiligen Melde-Prozesses bei der jeweiligen Plattform geltend.  

Ist die Bewertung wahr? 

Doch auch wenn man durch einen Kunden bewertet wurde, muss man dies nicht immer hinnehmen. Man unterscheidet bei Bewertungen zwischen sogenannten Tatsachenbehauptungen einerseits und Werturteilen auf der anderen Seite.  

Tatsachenbehauptungen sind Aussagen, die einem vollständigen Beweis zugänglich sind. Beispielsweise ist die Aussage, dass die Aufnahmen aus einem Fotoshooting allesamt unscharf waren, dem Beweis zugänglich und damit eine Tatsachenbehauptung.  

Hier ist durchaus ein hoher Maßstab anzusetzen, was die Wahrheit angeht und häufig können schon geringe Fehler eine Bewertung zu Fall bringen. In unserem Beispiel etwa müssten tatsächlich “alle” Aufnahmen unscharf sein, damit die Bewertung rechtlich nicht angfreifbar wäre.  

Aus der Erfahrung heraus sollte man hier die Frage, ob die Bewertung wahrheitsgemäß ist, nicht nur den eigenen Horizont als Maßstab anlegen, sondern sich ein paar Gedanken zur Beweisbarkeit machen. Die Gegenseite wird vermutlich versuchen, den Sachverhalt so darzustellen, als wäre er wahr, worauf man vorbereitet sein sollte.  

Handelt es sich bei einer Meinungsäußerung um Schmähkritik? 

Neben den Tatsachenbehauptungen, die ich immer dann rechtlich angreifen kann, wenn sie ganz oder teilweise unwahr sind, gibt es noch die sogenannten Werturteile. Aufgrund der überragenden Bedeutung der verfassungsrechtlich zugesicherten Meinungsfreiheit ist es erlaubt, Dinge, die nicht dem Tatsachenbeweis zugänglich sind, zu äußern, solange bis nicht die Grenze zur sogenannten Schmähkritik überschritten wird. Die Rechtsprechung ist hier unter Umständen und je nach Einzelfall recht großzügig mit der Annahme zulässiger Meinungsäußerungen und so gab es Entscheidungen, bei denen durchaus heftige Aussagen nicht als Schmähkritik sondern zulässige Meinungsäußerungen gewertet wurden. Darunter etwa: 

  • Die Bezeichnung einer AfD Politikerin als “Nazi-Schlampe” in einer Satiresendung ((LG Hamburg, Az. 324 O 217/17) 
  • „linke Bazille“ (OLG Saarbrücken, Az. 1 U 794/95 – 155) 
  • „durchgeknallter Staatsanwalt“ (BVerfG, Az. 1 BvR 2272/04) 

Zusammengefasst kann man daher sagen, dass ein Vorgehen gegen negative Bewertungen in Fällen von nicht zuordenbaren Bewertungen von Nicht-Kunden und bei nachweislich falschen Tatsachenbehauptungen gute Aussicht auf Erfolg haben.  Gerade das Argument der Meinungsfreiheit macht den Angriff von Bewertungen, die sich als sogenannte Werturteile darstellen, schwierig.  

Auf der Seite des richtigen Ansprechpartners hat man bei sogenannten Fake-Bewertungen meist überhaupt keine Wahl, da diese ja gerade voraussetzen, dass man mit dem Bewerter keinen Kontakt hatte und die kreative Wahl der Namen der Bewerter meist dazu dienen, eine Ladungsfähige Anschrift zu vereiteln. Hier muss man sich notgedrungen an die Bewertungsplattform wenden und versuchen, dort die Entfernung zu erwirken.  

Und wenn man nun überhaupt keine Möglichkeit hat, sich gegen eine negative Bewertung zu wehren, da sie rechtlich nicht angreifbar ist, hat man zuletzt immer noch die Möglichkeit, auf die Bewertung in Form eines Kommentars zu reagieren. Ich staune hier manchmal offen gesagt nicht schlecht, wie geschickt einige unserer Mandanten dies tun und so durch den cleveren Umgang mit einer 1-Sterne-Bewertung daraus noch ein charmant wirkendes Aushängeschild für ihr Unternehmen zu machen.  

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Erschienen in ProfiFoto

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