Das Recht zur Bearbeitung und was alles dazugehört

In vielen Fällen ist es erforderlich, dass Nutzer von Bildern diese vor der Verwendung bearbeiten. Manchmal mehr, manchmal weniger. Manchmal im Sinne des Fotografen und manchmal eben nicht.  

Doch was ist eigentlich die gesetzliche Ausgangslage hierzu? Darf der Kunde die einmal übergebenen Bilder bearbeiten oder ist dieses Recht nur dem Fotografen vorbehalten?  

Grundsätzlich verhält es sich nach dem Gesetz so, dass eine Bearbeitung nur mit vorheriger Einwilligung des Fotografen erlaubt ist:  

§ 23 Bearbeitungen und Umgestaltungen 

Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden. Handelt es sich um eine Verfilmung des Werkes, um die Ausführung von Plänen und Entwürfen eines Werkes der bildenden Künste, um den Nachbau eines Werkes der Baukunst oder um die Bearbeitung oder Umgestaltung eines Datenbankwerkes, so bedarf bereits das Herstellen der Bearbeitung oder Umgestaltung der Einwilligung des Urhebers. Auf ausschließlich technisch bedingte Änderungen eines Werkes nach § 60d Absatz 1, § 60e Absatz 1 sowie § 60f Absatz 2 sind die Sätze 1 und 2 nicht anzuwenden.” 

(Ab) wann so eine Bearbeitung oder Umgestaltung vorliegt, sagt das Gesetz uns leider nicht. Ist es schon verboten, ein Bild im Querformat quadratisch zu beschneiden, um es bei Instagram hochzuladen? Apropos Instagram. Was ist mit Filtern?  

Während die Bearbeitung im Sinne des § 23 UrhG selbst ein Werk nach dem UrhG sein muss, also es sich hierbei um eine doch weiterreichende Schöpfung handeln sollte, ist in der ebenfalls genannten Umgestaltung jegliche Veränderung der Vorlage zu sehen. Hierunter fallen nach der Rechtsprechung auch das Beschneiden von Fotografien und auch die Verwendung von Filtern wird hierunter zu fassen sein.  

Eine Ausnahme gibt es noch, wenn die Bearbeitung eines oder mehrerer Fotos so tiefgreifend ist, dass man schon auf den ersten Blick Probleme damit hat, das bearbeitete Ausgangswerk in dem neu geschaffenen Werk wiederzuerkennen. Hierbei könnte es sich um eine sogenannte freie Benutzung handeln, die auch ohne Einwilligung des Urhebers legal ist:  

§ 24 Freie Benutzung 

(1) Ein selbstständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzen Werkes veröffentlicht und verwertet werden. 

(2) Abs. 1 gilt nicht für die Benutzung eines Werkes der Musik, durch welche eine Melodie erkennbar dem Werk entnommen und einem neuen Werk zugrunde gelegt wird.” 

Hier ist von besonderer Bedeutung, (ab) wann es sich nun um eine solche freie Benutzung handelt, gegen die der Urheber nach der oben zitierten Vorschrift erst einmal nichts mehr unternehmen kann. 

Mit der Rechtsprechung des BGH kommt es dabei darauf an, ob die übernommenen Elemente in dem neuen Werk "aufgehen” und das neue Werk nicht in einer Weise prägen, dass sie das Wesen der Bearbeitung ausmachen. Die Rechtsprechung legt bei dieser Prüfung das Hauptaugenmerk auf die Übereinstimmungen und nicht auf die Unterschiede.  

Ist hingegen die bearbeitete Fotografie noch klar erkennbar und prägt zumindest auch das Wesen des geschaffenen Werks, wird § 24 UrhG regelmäßig ausscheiden und dem Fotografen ist es weiterhin erlaubt, gegen die Verfremdung seines Werks vorzugehen.  

An dieser Stelle erkennt man denke ich schon, dass die gesetzliche Ausgangssituation, die es vor allem auf den Grad der Bearbeitung ankommen lässt, ob der Urheber einwilligen muss oder nicht, vielfach keinen ausreichenden Schutz für die Belange der Fotografen bietet. Möchte man grundsätzlich keine Manipulation seiner Bilder dulden, so kann man dies ganz einfach vertraglich mit dem Kunden regeln. Neben der Frage der Nutzungsrechte sollte das Bearbeitungsrecht ein zentraler Punkt in einer Nutzungsvereinbarung sein.  

Hierbei steht es den Parteien frei, worauf sie sich verständigen. So kann man beispielsweise die Bearbeitung völlig frei in das Ermessen des Kunden stellen oder aber wesentlich strenger sein und die Verwendung der Bilder nur in der übergebenen Originalfassung zulassen. Da die gesetzliche Ausgangslage sowie die dazugehörige Rechtsprechung teilweise ein wenig unübersichtlich ist, rate ich aber dringend dazu, zumindest einen Satz in die Nutzungsrechtevereinbarung aufzunehmen.  

Gestattet man dem Kunden nun die Bearbeitung der Bilder, sollte man sich auch Gedanken machen, ob man hier noch als Urheber genannt werden möchte. Häufig führen Bearbeitungen durch Kunden zu Ergebnissen, mit denen der Fotograf nicht mehr unbedingt in Zusammenhang gebracht werden möchte. Der gesetzliche Ausgangsfall sieht hier aber in Form des § 13 UrhG vor, dass der Urheber am Werk zu nennen ist. Und zwar immer. Falls man nun also dem Kunden das Recht zur Bearbeitung der Bilder einräumt, sollte man sich gut überlegen, ob man auf der anderen Seite nicht bei der Pflicht zu Urhebernennung nachzieht und dem Kunden die Nennung an bearbeiteten Werken untersagt oder aber dazu auffordert, dass die Bearbeitung bei der Urhebernennung ebenfalls kenntlich zu machen ist und der Fotograf nur das Ausgangswerk und nicht die bearbeitete Version zu verantworten hat.  

Ein häufiger Irrtum auf Kundenseite ist übrigens, dass eine Bearbeitung stets erlaubt und nur in Fällen genehmigungspflichtig ist, in denen das entweder ausdrücklich im Vertrag so bestimmt ist oder aber besonders schwerwiegende Bildmanipulationen vorgenommen werden.  

Schauen wir uns die oben zitierten Vorschriften an, fällt rasch auf, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Solange es sich also nicht um eine freie Benutzung nach § 24 UrhG handelt, ist die Bearbeitung ohne ausdrückliche Einwilligung unzulässig und der Kunde begeht eine Rechtsverletzung. Diese führt übrigen zu identischen Ansprüchen, die auch bei einer völlig ungenehmigten Bildverwendung entstehen: Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz. Das bedeutet, dass die ungefragte Bearbeitung von Fotos kein Kavaliersdelikt, sondern eben eine “Waschechte” Urheberrechtsverletzung ist, die auch vom Gesetzgeber scharf sanktioniert wird.  

Abschließend noch der Hinweis, dass nicht nur die auf den ersten Blick erkennbare Bearbeitung sondern auch die Löschung oder Manipulation von Bild-Metadaten eine Rechtsverletzung darstellen.  Die Rechtsprechung sieht hier einen Verstoß gegen § 95c UrhG, der die Entfernung oder Veränderung von Informationen, die vom Rechteinhaber stammen, verbietet.  

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Erschienen in ProfiFoto

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