CGI versus Fotografie - Disziplin: Recht

Der Bereich der Computer Generated Imagery wird größer und größer. Mir fällt es zwischenzeitlich offen gesagt schwer, zu erkennen, ob das schnittige  Auto oder der verwischte Hintergrund einer neuen Sportwagen-Kampagne fotografiert oder am Computer geschaffen wurden. Doch nicht nur in meinen Alltag als Endverbraucher hat sich die CGI heimlich still und leise einen ganz relevanten Platz gesichert. Auch viele Fotografen stehen vor der Frage, ob man dieses Phänomen als Ergänzung oder ernsthafte Konkurrenz zur herkömmlichen Fotografie sehen sollte oder ob das ein Trend ist, der bald wieder von der Bildfläche verschwindet. Wie digitale Fotografie. Oder das Internet.

Die Tatsache, dass mittlerweile viele große Auftraggeber aus dem Commercial Bereich, darunter Sportartikelhersteller oder Automobilkonzerne, ausschließlich auf CGI setzen, sollte zumindest Grund zum Anlass sein, sich ein wenig mit der dahinterstehenden Technik auseinanderzusetzen. Dabei kann ich sicherlich nicht weiterhelfen, aber wie so oft bleibt auch die Frage nicht aus, wie es eigentlich mit der rechtlichen Betrachtung dieser neuen Technik aussieht. Ist sie hier der herkömmlichen Fotografie am Ende vielleicht schon einen Schritt voraus? Es würde naheliegen, davon auszugehen, dass etwas, das schon ein Rechtsanwalt nicht mehr von einem Foto unterscheiden kann, auch rechtlich wie ein Foto zu behandeln ist. Doch so einfach macht es uns das Urheberrecht nicht.

Bereits bei der Frage, ob überhaupt urheberrechtlicher Schutz  besteht, haben wir einen deutlichen Unterschied. Während bei Fotos gemäß § 72 Abs. 1 UrhG stets urheberrechtlicher Schutz gewährt wird, ist man bei CGI in der Regel über § 2 UrhG auf die Bewertung der Frage angewiesen, ob es sich bei dem, was da geschaffen wurde, um eine „persönliche geistige Schöpfung“ handelt und damit Schutz nach dem UrhG besteht. Diese Vorschrift stellt sicher, dass grundsätzlich nur diejenigen Werke Schutz nach dem UrhG bekommen, die sich von der breiten Masse abheben, da der reine Durchschnitt und alles, was darunter liegt, nicht geschützt ist. Die Rechtsprechung zu CGI steht noch am Anfang, sodass es hierzu wenig griffige Beispiele gibt. Betrachtet man aber die Rechtsprechung zur persönlichen geistigen Schöpfung aus anderen Bereichen, dürfte die Messlatte nicht all zu hoch angesetzt werden, sodass wohl nur sehr einfache Werke überhaupt keinen Schutz nach dem Urheberrechtsgesetz bekommen werden. Im Ergebnis geht hier der Punktsieg zwar an die Fotografie, da schlichtweg jedes Foto urheberrechtlichen Schutz genießt. Allerdings schließt CGI dicht auf, da auch die dort anzustellende Betrachtung, ob eine persönliche geistige Schöpfung vorliegt, regelmäßig zu bejahen sein dürfte.

Doch gerade bei der Verwendung von zugekauften 3D-Modellen für eigene Projekte zeigt sich, dass doch einige rechtlich eindeutige Parallelen zur Fotografie bestehen. So sind Drittrechte, hier insbesondere Marken- und Designrechte, bei der Verwendung von CGI  ebenso zu beachten, als würden die Gegenstände real fotografiert. Es spielt praktisch keine Rolle, ob ich mir den Sportwagen, den ich nachher in meinen fotografierten Hintergrund einbauen möchte, als 3D-Character zukaufe oder ob ich den Wagen tatsächlich fotografiere. Es besteht daher gerade bei zugekaufter CGI Anlass zur Prüfung, ob, mit der Verwendung  Rechte Dritter, wie zum Beispiel bei der Abbildung von Markennamen oder / –Logos, berührt werden und ob sichergestellt werden kann, dass derjenige, der mir das Modell verkauft hat, eine ausreichende Rechteklärung vorgenommen hat. Im Prinzip ist hier ebenso zu verfahren, als würde man Fotos von einer Bildagentur zukaufen.

Ein besonderer Fall der zu berücksichtigenden Drittrechte haben wir bei den Urheberrechten von Architektur. Hier hilft zumindest in Deutschland regelmäßig die Panoramafreiheit weiter, die die Fotografie von Bauwerken zulässt, wenn sie von öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen aus erfolgt. Problematisch ist hier, dass die in § 59 UrhG geregelte Panoramafreiheit sich nur auf die zweidimensionale Vervielfältigung bezieht und damit dreidimensionale Modelle keinen Schutz genießen. Die Schöpfer des § 59 UrhG hatten sicherlich noch keine Vorstellung von CGI, sodass diese Vorschrift hierauf auch irgendwie nicht richtig zu passen scheint. Solange es allerdings keine Änderungen oder zumindest konkretisierende Rechtsprechung gibt, gilt das Gesetz, was bedeutet, dass man im Bereich CGI Urheberrechte an Architektur deutlich mehr auf dem Schirm haben sollte, als dies im Bereich der herkömmlichen Fotografie der Fall ist.

Jedem, der CGI produziert oder aber solche Werke von Dritten weiterverwendet, empfehle ich daher die kritische Auseinandersetzung mit einigen Fragen. Zunächst geht es um die Beurteilung der Werkqualität, denn nur wenn diese vorliegt und somit urheberrechtlicher Schutz besteht, kann der Schöpfer des Werkes Dritten verbieten das Werk zu verwenden. Nur wer diese Möglichkeit hat, kann Dritten auch Nutzungsrechte einräumen und hierfür auch ein ordentliches Honorar verlangen.

Daneben sollte man – wie auch schon beim Zukauf von Fotos – stets ein Auge auf den Drittrechten haben. Nachdem naturgetreue Abbildungen von Menschen eher selten vorkommen, spielen die Persönlichkeitsrechte bei der Betrachtung von CGI (bislang noch) keine große Rolle. Allerdings sind gerade bei nachgebauten Gegenständen wie Autos, Maschinen, Gebäuden und dergleichen Marken-, Design- und schließlich unter Umständen auch das Urheberrecht des Schöpfers des nachgebauten Gegenstandes zu beachten. Gerade letzteres hängt von der nicht ganz einfach zu beantwortenden Frage ab, ob der Gegenstand, der die Vorlage bildet, urheberrechtlich schutzfähig nach § 2 UrhG, also eine persönliche geistige Schöpfung ist.

Nachdem die Beantwortung dieser Fragen in manchen Fällen schon bei Anwälten für graue Haare sorgt, rate ich beim Zukauf von derartigen Daten dazu, darauf zu achten, dass der Verkäufer für die rechtssichere Verwendung durch den Käufer garantiert. Nur dann kann ich mich, sollte es dennoch zu rechtlichen Problemen kommen, am Verkäufer schadlos halten.

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Erschienen in ProfiFoto 10/16

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