Bildlizenzen in sozialen Netzwerken und wieso das alles so schwierig ist

Als ich vor ungefähr sechs Jahren mit dem Thema Bildrechte und Facebook zu meinen ersten Vorträgen losgezogen bin, hätte ich ehrlich nicht gedacht, dass ich das auch 2019 noch in diesem Umfang behandeln würde.

Ich zählte zwar schon damals nicht zu den Leuten, die der Ansicht waren, dass sich diese sozialen Netzwerke wie auch dieses Internet auf Dauer nicht durchsetzen würden. Allerdings war ich schon der Auffassung, dass sich das Geschäft mit Bildlizenzen irgendwann auf dieses Phänomen einpendeln würde und es nicht mehr nötig wäre, sich immer wieder aufs Neue darüber den Kopf zu zerbrechen.  

Fakt ist 2019 aber, dass ich mehr Vorträge zum Thema Bildrecht und Social Media halte, als je zuvor und daneben auch die Fälle in meiner Kanzlei, die sich mit Bildverwendungen beschäftigen, zu mittlerweile rund einem Drittel in den sozialen Netzwerken spielen dürften. Das Thema Bildrechte und Social Media ist damit aktueller denn je. Doch woran liegt es, dass die Nutzung von Bildern in sozialen Netzwerken ein solch bedeutendes Thema darstellt, das man so schwer in den Griff zu bekommen scheint?  

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Verwendung von Bildern in sozialen Netzwerken keinen anderen Regeln unterliegt, wie es auch im “herkömmlichen” Internet der Fall ist. Es sind dieselben Gesetze, die Anwendung finden, sowohl was die Position des Fotografen als auch die Drittrechte (Marken-, Design-, Persönlichkeitsrechte, etc.) angeht. Allerdings kommen im Social Media Umfeld noch einige Umstände hinzu, die die Sache aus bild- und lizenzrechtlicher Sicht noch einmal verschärfen.  

Einerseits ist es das Thema der Geschwindigkeit. Ich kann deutlich schneller Inhalte in sozialen Netzwerken teilen, hochladen und verbreiten, als ich es auf meiner Unternehmenswebsite kann. Mit einem Klick sind Inhalte aus dem “normalen” Internet in meine Facebook Timeline geteilt und mit demselben Aufwand kann ich Inhalte innerhalb der meisten sozialen Netzwerke weiterverbreiten.  

Dies ist gerade auch das Thema, das die Einräumung von Nutzungsrechten so schwierig gestaltet. Bildnutzungen in sozialen Netzwerken sind in der Regel deutlich schnell- aber auch kurzlebiger. So kann der Kunde aus Fotografensicht völlig unberechenbar verschiedenste Bildverwendungen in sozialen Netzwerken anstoßen, über die aber in der Regel spätestens nach einer Woche niemand mehr spricht. Postet ein Kunde regelmäßig Bilder, so verschwindet mein Bild recht rasch aus der Timeline und verliert damit eklatant an Bedeutung.  

Gerade im Fall der Lizenzeinräumung an Bildern für Social Media befinde ich mich daher in der Regel in einer Art Zwickmühle. Die Intensität der Bildverwendung ist zum Zeitpunkt der Einräumung des Nutzungsrechtes noch überhaupt nicht absehbar. Zwar kann ich durchaus die Größe des Accounts meines Kunden in die Berechnung eines angemessenen Nutzungshonorars einbeziehen oder mir überlegen, wie wahrscheinlich es sein kann, dass ein Post meines Kunden “viral geht”. Allerdings sind das alles wenig verlässliche Vermutungen darüber, wie oft mein Bild nach Einräumung des Lizenzrechts wirklich verbreitet wird.  

Außerdem hätte das auch zur Folge, dass ich mir bei besonders “Social-Media-erfolglosen” Kunden überlegen müsste, die Bildlizenzen deutlich günstiger abzugeben. Ein erfolgsbasiertes Nutzungsrecht scheint zumindest aus aktueller Sicht schwer umsetzbar, zumal bislang auch nicht unterschieden wurde, ob eine Website eines Kunden besonders häufig besucht wird oder eben nicht. Eine Online Nutzung war eine Online Nutzung und allenfalls die Nutzungsdauer war von Bedeutung. Bewegen wir uns hier wirklich auf eine Art Erfolgs-Bildhonorar zu? Ein riskantes Unterfangen für Fotografen...! 

Um die Sache noch komplizierter zu machen, kann man sich nun auch noch die einzelnen sozialen Netzwerke ansehen. Sollte man bei der Bemessung eines Nutzungshonorars zwischen den sozialen Netzwerken unterscheiden? So ist es zum Beispiel bei Facebook und Twitter möglich, aus der Anwendung heraus mit Bordmitteln Aufnahmen zu Teilen oder zu Retweeten. Instagram hingegen bietet solche Möglichkeiten nicht.  

Das Risiko, dass eine Aufnahme extrem weiterverbreitet und damit intensiver genutzt wird, ist damit wohl in Netzwerken, die über einen “Teilen-Mechanismus” verfügen, deutlich höher, als bei Plattformen, die diese Möglichkeit nicht bieten. Muss nun auch noch zwischen einer Facebook- und einer Instagram-Lizenz unterschieden werden?  

Und was ist überhaupt mit der Urhebernennung? Die ist doch verpflichtend und wenn ich ein Bild bei Facebook einmal geteilt habe, ist eine Nennung im Textbestandteil somit praktisch “verschwunden”. Wenn ich nun aber eine Aufnahme ohne die Pflicht zur Urhebernennung lizenziere, ist dafür ein finanzieller Ausgleich fällig. Sollte ich diesen daher der Einfachheit halber bei Social Media Lizenzen immer verlangen? Was wird mein Kunde dazu sagen? 

Zusammengefasst kann man denke ich guten Gewissens sagen, dass es zu den oben aufgeworfenen Themen aktuell deutlich mehr Fragen als Antworten gibt. Als die erste Social Media Lizenz eingeführt wurde (Damals von der Agentur Clip-Dealer), war klar, dass ich mit Bildern, die ich unter dieser Lizenz erwerbe, tun und lassen kann, was ich möchte. Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen und man konnte sich auch aufgrund der steigenden Bedeutung des Social Media Marketings viele viele Gedanken darüber machen, ob eine solche Lizenz noch zeitgemäß und angemessen ist. Vermutlich wird sie das nicht mehr sein. Die Lösungsansätze sind allerdings auch weiterhin nicht zufriedenstellend.  

Als Tipp kann ich daher an dieser Stelle jedem nur mitgeben, sich beim nächsten Mal, wenn er Bilder für einen Kunden zur Verwendung in sozialen Netzwerken lizenziert, zumindest ein Paar Gedanken über die obenstehenden Zeilen zu machen. Von einer Lösung sind wir damit noch meilenweit entfernt, aber ich denke, dass eine intensive Befassung mit dem Thema uns zumindest auf den Weg zu einer solchen bringen kann.  

---

Erschienen in ProfiFoto

---

Für Fragen rund um alle urheber- und medienrechtlichen Themen - insbesondere natürlich zum Thema Bildrechte - stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Und keine Sorge, wir weisen darauf hin, bevor Kosten für unsere Tätigkeit entstehen!

Zurück

nach oben
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden Mehr Infos