Abmahnungen am Rande des #kennzeichnungswahnsinns - wie wir das Influencer Marketing vor dem Aus bewahren können

Keine Angst, wir fangen jetzt nicht auch noch damit an, Blogbeiträge nach dem Muster „Abmahnung von blablabla erhalten...“ zu schreiben, um damit ein gutes Google-Ranking und ein paar Mandate abzugreifen.  

Vielmehr haben wir aktuell den Eindruck, dass in kaum einen anderen Bereich „gewagtere“ Abmahnungen ausgesprochen und einstweilige Verfügungen beantragt werden, als im Fahrwasser des Influencer Marketing. Dabei sind es nicht die Firmen, die ebenfalls für Verfehlungen der Influencer haften würden, welche abgemahnt werden, sondern durch die Bank die Influencer selbst.  

Die Panik, die sich nun quer durch die sozialen Netzwerke zieht, kommt langsam derjenigen gleich, die sich vor dem Inkrafttreten der DSGVO beobachten ließ. Da wir so etwas nicht noch einmal ertragen, haben wir uns dazu entschlossen, diesen Beitrag zu schreiben.  

Das Wichtigste zuerst: Die Gründe für viele Influencer-Abmahnungen sind völlig plausibel – so dürfte mittlerweile wohl klar sein, dass jemand, der für eine unterschwellige Werbung über seinen Account Geld erhält, der Kennzeichnungspflicht unterliegt und andernfalls wegen Schleichwerbung abgemahnt werden kann. Es ist auch völlig normal, dass Verstöße gegen derartige Pflichten abgemahnt werden und bisher ist uns kein kreatives Marktsegment bekannt, das wegen derartiger berechtigter Abmahnungen zu Grabe getragen worden wäre.  

Allerdings runzelt sich zugegeben unsere Stirn in Fragezeichen-Form, wenn wir uns die ein oder andere Abmahnung ansehen, die auf unseren Schreibtischen landet. Die Gründe reichen teilweise vom Markieren von Produktherstellern bis hin zu einzelnen Personen oder die schlichte Feststellung in einem Satz, dass der Influencer schon Geld für den Post bekommen haben wird.  Das ist erst einmal eine gewagte Behauptung. Aber mal ehrlich: Wir haben kaum Zweifel, dass solche Abmahnungen am Ende nicht standhalten werden.  

Dennoch: eine einstweilige Verfügung ist schnell beantragt und leider häufig auch widerstandslos durchgewunken, was zu den voreilig gezogenen Schlüssen führt, dass nun das Influencer Marketing aber wirklich am Ende ist. Oder? 

NEIN.  

Wie etwa der Fall vor dem LG Düsseldorf zeigt, über den wir hier kürzlich berichtet haben, folgt auch auf eine einstweilige Verfügung gerne mal ein Urteil, das diese wieder aufhebt und die Situation wieder geradezieht.  

Die Lage ist dennoch zweifelsohne ernst. Aber sie ist nicht unumstößlich und wir müssen nicht tatenlos zusehen. Wir für unseren Teil würden uns lieber auf das konzentrieren, was wir gestalten und verändern können und den Fokus nicht auf das lenken, was passieren könnte, wenn es schiefgeht. Uns ist klar, dass diese Nachricht sich weitaus weniger lauffeuerartig verbreiten wird, als die lamentierende Feststellung des nahenden Endes. Dennoch wollen wir es versuchen.  

Die Rechtsprechung zum Influencer Marketing steht vor einer maßgeblichen Wende. Und wir möchten gemeinsam mit Euch mitmischen! 

Dieser Artikel soll den Grundstein für die Bewertung der Situation legen und eine Anlaufstelle für Verunsicherte und Unschlüssige werden und ganz klar dazu beitragen, Panikmache und absurden Abmahnungen entgegenzuwirken.  

Alle sind eingeladen, sofern Sie auch wirklich etwas Substantielles beitragen können. Uns ist egal, ob Ihr Influencer oder Anwalt seid – wir möchten mit Euch etwas bewegen. Wenn Ihr (nicht jemand, von dem Ihr gelesen habt oder Eure Tante) von einem Fall einer Abmahnung betroffen seid, helft dem Influencer Marketing und teilt Ihn in den Kommentaren zu diesem Artikel.  

Verwendet für Eure Kommentare bitte folgende Gliederung:  

--- 

Ich bin:  Anwalt/Influencer/Redakteur/... 

Abmahner: Abmahnverein/Unternehmen/anderer Influencer/... 

Abmahngrund: fehlende Kennzeichnung bei bezahltem Post/unbezahltem Post/Post mit markierten Unternehmen/... 

Verfahrensgang: Abweisung durch Urteil/Bestätigt durch Urteil/einstweilige Verfügung erlassen/... 

--- 

Die fett gedruckten Punkte müsst Ihr angeben. Die Aufzählungen zu den einzelnen Punkten sind nur beispielhaft und gerade der Verfahrensgang kann auch nachträglich noch aktualisiert werden. Schreibt uns einfach, wenn sich etwas getan hat. Ihr könnte natürlich gerne auch nachdem Ihr die verpflichtenden Punkte abgehakt habt, ein paar Sätze zu dem Fall formulieren.  

Wir werden die Informationen zusammenfassen und nach Erreichen einer ausreichend großen kritischen Masse eine Auswertung vornehmen und hoffen, dass wir damit eine aussagekräftige Statistik zusammenbekommen. Denn mal ehrlich, Art und Umfang der Bedrohung für das Influencer Marketing werden wir nicht durch das Hochkochen einzelner Fälle beurteilen können, sondern nur durch die Bewertung von Fakten. Und die gibt es aktuell leider noch nirgends.  

Wir sind gespannt, ob wir mit diesem Artikel etwas bewegen können und legen mit dem ersten Fall gleich selbst los. 

Kommentar von Sebastian Deubelli |

Ich bin: Anwalt
Abmahner: Unternehmen
Abmahngrund: fehlende Kennzeichnung bei bezahltem Post
Verfahrensgang: eintsweilige Verfügung durch Urteil aufgehoben.
---
Das Gericht war schlussendlich der Ansicht, dass die Schönheitsklinik, welche unsere Mandantin (Influencerin, die Werbung für Kosmetikprodukte macht) wegen fehlender Kennzeichnung von Beiträgen als Werbung abgemahnt hatte, nicht in einem Wettbewerbsverhältnis zur Influencerin steht und die zunächst erlassene einstweilige Verfügung wieder aufgehoben.

Zurück

nach oben
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden Mehr Infos